Zum Tode von Dr. Sixtus Lampl

Valley – Traurig und in großer Dankbarkeit nehmen wir Abschied von Dr. Sixtus Lampl. Der Gründer und Leiter des Kultur- und Orgelzentrums Altes Schloss Valley mit einer der wohl bedeutendsten und größten Orgelsammlungen der Welt, ist am 18. September 2026 im Krankenhaus Agatharied im Alter von 85 Jahren verstorben. Für seinen 85. Geburtstag im August war bereits alles vorbereitet, wenige Tage vorher kam er ins Krankenhaus – nach Hause zurückkehren sollte er nicht mehr.

Dr. Lampl hat gemeinsam mit seiner bereits im Dezember 2024 verstorbenen Ehefrau Inge Leidgschwendtner-Lampl vorausschauend für die Weiterführung ihres gemeinsamen Lebenswerkes über ihren Tod hinaus mit der Gründung der Dr. Sixtus und Inge Lampl Stiftung im Jahr 2021 gesorgt. Sie legten mit der Stiftung den Grundstein für eine Zukunft des Kultur- und Orgelzentrums. Es ist der ausdrückliche Wunsch der beiden Gründer, dass ihr Lebenswerk in ihrem Sinne weitergeführt wird. Mit der Stiftung, dem Engagement treuer, langjähriger Weggefährten und dem eingespielten Team des Orgelzentrums bleibt das Lebenswerk in guten Händen. Im Sinne der Stifter wird es weiterhin Konzerte, Führungen und Kulturfahrten geben. Die Orgelsammlung ist mittlerweile auf dem Weg zu einem öffentlichen Museum, gefördert durch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz.

Geboren wurde Friedrich Sixtus Lampl am 6. August 1941 auf dem Strenghof in Schliersee-Westenhofen. Schon als Zwölfjähriger spielte er seine ersten Orgelmessen in der Barockkirche St. Martin in seinem Heimatort – der Beginn einer lebenslangen Leidenschaft. Während seiner Gymnasialzeit im Kloster Schäftlarn und in Tegernsee erhielt er weiteren Orgelunterricht; die ehrwürdigen Klostergebäude weckten zugleich sein Interesse an Kunstgeschichte und Musikwissenschaft. Nach dem Abitur studierte er Philosophie, Theologie, bayerische Kirchen- und Kunstgeschichte sowie Musikwissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität München und promovierte 1972 bei Prof. Norbert Lieb mit einer zweibändigen Arbeit über die Klosterkirche Tegernsee.

Von 1977 an wirkte Dr. Lampl als Konservator, später als Oberkonservator, am Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege und war dort zusätzlich für die historischen Orgeln Bayerns zuständig. In dieser Funktion begann 1983 die Geschichte, die sein Lebenswerk begründen sollte: Um die 1912–1914 erbaute Koulen-Orgel der Martinskirche Landshut, eine der letzten großen romantischen Orgeln Bayerns, vor der Verschrottung zu retten, kaufte er sie kurzerhand selbst. Da sich kein Ort fand, an dem das große Instrument hätte aufgestellt werden können, erwarben er und seine Frau Inge 1987 das baufällige Alte Schloss Valley im Oberland, restaurierten es und richteten darin das Orgelzentrum ein.

Aus dieser Rettungstat wuchs über Jahrzehnte die heutige weltweit bedeutenste Orgel-Sammlung mit über 60 meist vollständig erhaltenen Pfeifenorgeln, darunter auch die einzige große Kino-Orgel Bayerns, ursprünglich aus dem Capitol-Kino in Heidelberg.

In der an das Alte Schloss angrenzenden Zollingerhalle, einem historischen Bauwerk mit einer besonderen Holzkuppeldecke, ließ Lampl sechs konzertfähige Orgeln aufstellen, die heute in Konzerten und bei Führungen erklingen.

Dr. Lampls Wirken beschränkte sich dabei nicht auf die Orgel. Als Musiker suchte, entdeckte, transkribierte und edierte er in seinem eigenen Schloßverlag zahlreiche Chor-, Solisten- und Orchesterwerke aus bayerischen Klöstern, die seit der Säkularisation von 1803 in Vergessenheit geraten waren, und führte sie mit dem von ihm gegründeten Ensemble Musica di Baviera wieder auf.

Als Kunsthistoriker organisierte und begleitete er zahlreiche Kulturfahrten zu kunsthistorisch wertvollen Klöstern, Kirchen und Orgeln. Sein enormes Wissen hat er in zahlreichen Publikationen der Nachwelt hinterlassen. Zuletzt war das Orgelzentrum Valley auch ein Schauplatz des deutsch-französischen Dokumentarfilms „Der Spirit der Orgel“ (ARTE/ZDF). der auf dem Filmfestival Berlinale im Februar 2026 erstmals gezeigt wurde.

Für sein Lebenswerk wurde Dr. Sixtus Lampl vielfach geehrt, unter anderem mit dem Bundesverdienstkreuz, dem Bayerischen Verfassungsorden, den ihm 2024 Landtagspräsidentin Ilse Aigner überreichte, und dem Bayerischen Verdienstorden, den er im Juli 2025 aus den Händen von Ministerpräsident Dr. Markus Söder erhielt.

Bis zuletzt trieben Dr. Lampl neue Pläne um. In einem seiner letzten Texte für die Besucher des Orgelzentrums warb er noch persönlich um Unterstützung für ein letztes großes Vorhaben: eine eigene Orgelhalle, in der auch die großen Instrumente – allen voran die Koulen-Orgel der Martinskirche Landshut, mit der alles begonnen hat – einen würdigen Platz finden könnten. Ob dieser letzte Traum noch Wirklichkeit wird, ist offen.

Unbestritten aber bleibt, was Dr. Sixtus Lampl dem Landkreis Miesbach und der bayerischen Kulturlandschaft hinterlässt: ein einzigartiges museales Ensemble und die Gewissheit, dass zwei Menschen mit ihren Visionen, ihrer Beharrlichkeit und Leidenschaft ein ganzes Weltkulturerbe im Kleinen erschaffen können.

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