Barocke Klostermusik zum Andenken an Dr. Sixtus Lampl
Das Barock Ensemble CORDES XXI führt am 7. November die Missa S. Eugenii des Irseer Musikpriors Meinrad Spieß auf – zu dessen 265. Todestag.
Die Musiker verzichten auf ihre Gage, der gesamte Erlös kommt dem Orgelzentrum Valley zugute.
Am Samstag, 7. November 2026, um 19 Uhr gastiert das Barock Ensemble CORDES XXI in der Zollingerhalle des Orgelzentrums Altes Schloss Valley. Unter der Leitung von Prof. Günter Holzhausen als Gastdirigent erklingt die Missa S. Eugenii von Pater Meinrad Spieß – ein Werk, das heute kaum noch zu hören ist. Das Konzert ist dem Andenken an Dr. Sixtus Lampl gewidmet, dem Gründer des Orgelzentrums, der am 18. September 2026 im Alter von 85 Jahren verstorben ist.
Ein Leben für die Musik der bayerischen Klöster
Das Konzert steht ganz im Geiste von Sixtus Lampl. Das Barock Ensemble CORDES XXI widmet sich mit der Messe von Meinrad Spieß bewusst einem Komponisten, der, wie viele von Lampl wiederentdeckte Meister der süddeutschen Klostermusik, heute nur noch Fachkreisen der Alten Musik bekannt ist.
Dr. Sixtus Lampl hat über Jahrzehnte nicht nur Orgeln gesammelt und bewahrt, sondern auch einen verborgenen Schatz der Kirchenmusik gehoben. In den Beständen der ehemaligen Klöster Tegernsee und Weyarn entdeckte er zahlreiche Messen, die über Generationen in Vergessenheit geraten waren. Er transkribierte die Handschriften, übertrug sie in die heutige Notenschrift und gab sie als Editionen heraus. Erst durch diese mühevolle Arbeit wurden die Werke für Musikerinnen und Musiker wieder spielbar.
Meinrad Spieß: Benediktiner, Komponist, Musiktheoretiker
Pater Meinrad Spieß (1683–1761) war einer der bedeutendsten Vertreter der Kirchenmusik des süddeutschen Spätbarocks. Der Bauernsohn kam 1695 als Sängerknabe ins Kloster Irsee, trat 1701 in den Benediktinerorden ein und studierte von 1709 bis 1712 in München bei Hofkapellmeister Giuseppe Antonio Bernabei. Danach leitete er jahrzehntelang die Musik der Abtei Irsee, in der 20 der 26 Mönche Musiker und Sänger waren.
Zwischen 1713 und 1723 entstanden seine kirchenmusikalischen Werke Opus I bis VIII, darunter 1719 die kurzen Brevis-Messen mit der Missa S. Eugenii. Ihr Stil ist so vital, dass Spieß den Kapellmeistern riet, eher zu zügeln als anzutreiben und mäßige Tempi zu wählen. Mit seinem Lehrbuch „Tractatus Musicus Compositorio-Practicus“ (Augsburg 1745) erlangte er überregionale Bedeutung. Als einziger süddeutscher Komponist wurde er in die „Correspondierende Societät der musikalischen Wissenschaften“ aufgenommen, der auch Johann Sebastian Bach, Georg Friedrich Händel und Georg Philipp Telemann angehörten. Er stand zudem im Austausch mit Leopold Mozart.
Das Ensemble und sein Gastdirigent
Das Barock Ensemble CORDES XXI wurde 2021 gegründet. Sein Name verweist auch auf die 21 barocken Darmsaiten seiner Kernbesetzung. Das Ensemble entdeckt barocke Werke, gern auch wenig bekannte, und führt sie im Sinne der Alten Musik solistisch besetzt auf.
Auf Wunsch von Kirchengemeinden gestaltet CORDES XXI auch Messen musikalisch mit. Je nach Projekt kommen zur Stammbesetzung ausgewählte Gesangs- oder Instrumentalsolisten hinzu. Einen künstlerischen Leiter gibt es bewusst nicht: Ganz im Geist der Kammermusik entscheiden die Musikerinnen und Musiker gemeinsam.
Für dieses Konzert übernimmt Prof. Günter Holzhausen die Leitung als Gastdirigent. Er unterstützt das Ensemble immer wieder als ausgewiesener Kenner der historischen Aufführungspraxis.
Das Programm
Das rund 45-minütige Konzert beginnt mit der Passacaglia aus der Suite VII von Rupert Ignaz Mayr (1646–1712). Sie stammt aus seiner Sammlung „Pythagorische Schmids-Füncklein“ von 1692. Mayr wirkte als Hofmusiker in München und später als Hofkapellmeister in Freising. Prof. Günter Holzhausen führt anschließend mit einer kurzen Ansprache in Werk und Anlass ein. Im Zentrum steht die Missa S. Eugenii op. IV/1 von Meinrad Spieß mit Kyrie, Gloria, Credo, Sanctus, Benedictus und Agnus Dei. Zum Abschluss erklingt ein Orgelsolo auf einer der Orgeln aus der Sammlung von Sixtus Lampl im Saal.
Es musizieren Ulrike Glinsböckel und Marta Tarsa (Violinen), Veronika Kimiti und Christian Schmucker (Violen), Christine Olschewsky (Violone), Scott Thomson (Orgel) sowie Johanna Betzinger (Sopran), Claudia Simon (Alt), Joachim Vogt (Tenor) und Mathieu Lanniel (Bass).
Alle Mitwirkenden treten ohne Honorar auf. Sämtliche Einnahmen kommen dem Orgelzentrum Altes Schloss Valley zugute und tragen dazu bei, das Lebenswerk von Sixtus Lampl zu erhalten.

